Der rote Faden meines Buches



Wie fühlt es sich an zurück zu schauen? Die Schnappschüsse der letzten Party - die Bilder vom letzten Urlaub - alle in Schale geworfen auf dem Familienfoto der letzten Feierlichkeit - ein altes Klassenfoto - oder strahlende Kulleraugen, die neugierig in die Kamera blicken, auf dem Babyfoto: Das Buch des Lebens lässt einen weit zurück blättern. An manche Augenblicke, die auf Bildern festgehalten wurden, kann man sich sehr deutlich erinnern - manches kennt man nur von den verblassten Aufnahmen oder aus Erzählungen.

Spannend, wie ein Mensch sich im Laufe des Lebens entwickelt - nicht nur rein Äußerlich - auch die Lebensumstände - die Orte - das Umfeld - Partner - Freunde - Bekannte - Hobbys - Interessen - alles schreibt sich fort.

Doch nicht nur ein Fotoalbum hält die Momente und Erlebnisse fest – auch in uns haben wir Bilder und Erinnerungen, Emotionen abgespeichert. Mal sehr präsent und deutlich – glasklar können wir uns jedes Detail, jede Einzelheit und Feinheit merken. Mal ist es nur ein Hauch, eine Stimmung, eine Emotion, ein Gefühl, das wir wahrgenommen haben und uns - manchmal erst viel später – berührt. Dabei gibt es schöne und weniger schöne Lebensabschnitte. Markante Wendepunkte – Entscheidungen, die getroffen wurden – und uns dahin gebracht haben, wo wir jetzt sind. Oder Momente, in denen das Leben den Stift in der Hand hatte – ohne, dass wir Einfluss nehmen konnten und wir ohnmächtig den Dingen ausgeliefert waren. Und dann drängen sich die Fragen auf – was, wenn ich damals anders entschieden hätte? ...wenn ich mich anders verhalten hätte? ...den Mut gehabt hätte? ...die Chance ergriffen hätte? ...wo wäre ich dann jetzt? Wäre ich so wie ich jetzt bin?

Es ist wichtig zu verstehen, wo man her kommt, was hinter einem liegt und was man erlebt hat. Alles geschieht nicht umsonst – alles birgt eine Bedeutung, eine Botschaft in sich. Die Kunst ist es, dem Leben einen Sinn zu geben, aus dem Erlebten, aus Ereignissen und aus jeder Begegnung, jedem Menschen zu lernen – Verständnis zu haben und anzuerkennen. In dem Bewusstsein, dass es nur mein Blick auf die Dinge ist – die von mir wahrgenommene Wirklichkeit, meine Realität – nicht die von anderen.

Schreibstil entwickeln. Werte definieren.
Wenn ich erkenne, woran ich mich bisher orientiert habe. Was mir wichtig war und grundsätzlich immer wichtig ist – wenn ich meine Werte kenne, definiere und mich konsequent an ihnen orientiere – dann entwickle ich meinen ganz persönlichen Schreibstil – meine Persönlichkeit. Ich habe Orientierung – meinen roten Faden – und ich gebe anderen Orientierung – wer ich bin – und wofür ich stehe.

Nicht auf den Auslöser drücken.
Manchmal ist es von Vorteil, einfach mal nicht auf den Auslöser des Fotoapparats zu drücken. Ganz nach dem Motto „Du bekommst heute leider kein Foto von mir“. Wenn ich negative Gedanken, Schuldgefühle, schlechte Laune habe – oder wenn mich ein Verhalten von mir oder von anderen verletzt, nervt oder verunsichert – dann beobachte ich das ganz neutral – nehme es wahr – aber speicher es nicht in mir ab – es betrifft mich nicht, und berührt mich nicht. Ich sammel die Schätze der Erinnerung, das Wertvolle und Bedeutungsvolle – daraus kann ich später Kraft und Energie ziehen - nicht aus jedem Krempel, der mir über den Weg läuft.

Den Moment genießen. Im Herzen halten.
In der Erinnerung schwelgend stellen wir manchmal auch fest, wie schön die Momente, die Menschen, die uns damals umgeben haben waren – und jetzt vergangen und scheinbar verloren sind. Dann empfinden wir schnell eine Traurigkeit oder den Schmerz des Verlustes. Jede Begegnung, jeder Mensch und jedes Gefühl kann in uns und unserem Gedächtnis weiter leben – dankbar darüber können wir rückblickend Kraft, Liebe und ein Lächeln daraus ziehen.

Vertrauen. Auf die Phantasie des Schicksals.
Verlieren wir uns nicht in der Vergangenheit. Das wieso oder warum scheint uns manchmal unergründlich, macht uns verrückt und wird uns auch nach Stunden des Kopfzergrübelns nicht klarer. Erzwungen auf der Suche nach einer Lösung und nach Klarheit – bewirkt es meistens nur ein noch größeres Wirrwarr und einen noch verworreneren Knoten im Kopf. Wie eine Schallplatte mit Sprung kreisen unsere Gedanken immer um das Gleiche, engt uns ein und begrenzt uns. Die vielen Fragen, die Suche nach einem Schuldigen, die ewige Suche - macht es kompliziert – schützt uns – davor sich fallen zu lassen, sich einzulassen, loszulassen, zuzulassen, schützt vor der Leichtigkeit und der Wahrheit – davor einfach zu sein. Braucht es nicht – durchbrechen wir den Kreislauf und nutzen wir die Zeit um im hier und jetzt zu sein – zu wirken – uns zu freuen – genießen – lieben und leben – und den Blick nach vorne zu richten – und uns darauf zu freuen, was das Leben noch für uns bereit hält. Jetzt können wir gestalten – die Richtung ändern – Einfluss nehmen.

In der Ruhe, wenn unser Kopf frei ist und unser Geist und Herz offen – dann kann unser Herz seine meist leise und erstickte Stimme erheben – dann kommen die positiven Gedanken, die Ideen, die Inspiration, die Klarheit – dann verstehen wir – dann sind wir mit uns und mit der Welt im Einklang. Verstehen wächst aus Geduld, Stille, Glaube, Vertrauen und Akzeptanz der Dinge – nicht aus dem Wille und dem Stolz, der Überheblichkeit alles zu wissen, durchschauen, kontrollieren, steuern und beeinflussen zu können.

Einatmen. Ausatmen. Loslassen. Kopf aus. Herz an.
Es war wie es war. Es ist wie es ist. Und es kommt wie es kommen soll.

(c) Sabine Schmeller für fan-manufaktur - Das WIR zukunftsbefähigen. Die Organisation für Unternehmensexzellenz.